allokieren oder allozieren – was ist richtig?

Allozieren bezeichnet in der IT das Zuweisen einer Ressource für einen bestimmten Zweck. Meist geht es darum, einen Speicherbereich für eine neue Variable zu allozieren, also zu reservieren.

Zu diesem Wort sind aber zwei Varianten unterwegs: allozieren und allokieren. Welche von beiden ist richtig?

Zu Ursprung des Wortes “allozieren”

Eingewandert in die deutsche Sprache ist das Wort aus dem englischen IT-Slang. Auf Englisch heißt es dort “to allocate”. Das Wort stammt letzten Endes vom Lateinischen ab, von “locus” = “der Ort”. Dazu gab es dann das Verb “allocare” (aus ad+locare).

Die englische Form dazu, “to allocate” ist ganz regelhaft gebildet. Lateinische Wörter auf -are enden im Englischen auf -ate. (z.B. to fascinate von lateinisch fascinare). Das ist alles Standard.

Der Import ins Deutsche

Und nun hat die IT dieses Wort ins Deutsche getragen. Man kann ja schon froh sein, dass das Wort überhaupt angepasst wurde, und dass kein “allocaten” daraus geworden ist. Das mag vielleicht daran gelegen haben, dass es das Wort allozieren auch im Bereich der Wirtschaft gibt. Dort bezeichnet es, finanzielle Mittel zuzuordnen.

Woher stammt dann “allokieren”?

Woher nun genau die Form “allokieren” kommt, kann ich nicht mehr feststellen. Ich weiß aber, dass sie schon lange unterwegs ist, denn ich habe 1988 angefangen, Informatik zu studieren. Und einer der Professoren, der uns da im ersten Semester unterrichtet hat, war in dieser Frage sehr engagiert. Er meinte, im Englischen würde das C ja als K ausgesprochen, und deswegen gehöre da im Deutschen auch ein K hin. Widerspruch wurde nicht geduldet. §1: der Prof hat Recht.

Warum ist “allokieren” dennoch falsch?

Nun, auch Professoren können irren. Ich fand das 1988 schon falsch, aber mittlerweile weiß ich auch, warum.

Die Grundfrage, die wir uns stellen müssen ist: wie werden Fremdwörter richtig importiert?

Was ist der Maßstab? Man leitet Wörter nicht mal so eben ab, wie man gerade Lust hat, oder wie man es selbst gerade für richtig hält. Vielmehr passt man auf, dass Wörter so übernommen werden, dass sie zum Rest unserer Sprache passen.

Dazu gehört ganz grundlegend, dass man sie an die deutsche Grammatik anpasst und dass man sie so importiert, wie andere, ähnliche Wörter auch schon importiert wurden. “to allocate” stammt ursprünglich aus dem Lateinischen. Und aus dem Lateinischen hat das Deutsche ja schon viel importiert.

Schauen wir uns also an, wie wir im Deutschen seit Jahrhunderten (!) mit lateinischen Wörtern umgehen. Es gibt da gewisse Standards, wie lateinische Wörter im Deutschen ausgesprochen werden. Dazu gibt es z.B. einen längeren Wikipedia-Artikel. (Link)  https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Aussprache_des_Lateinischen

Für das lateinische C gibt es zwei mögliche Aussprachen: k oder z. Je nachdem.

Das C wird im Deutschen zu Z vor E, I, AE, OE und Y. Vor A, O und U wird es zum K.

Da geht es letzten Endes um die Frage, ob der folgende Vokal dunkel oder hell ist. Wer Französisch gelernt hat, der kennt das Phänomen auch von dort. Ob ein C (das wird dann immer so geschrieben) wie K oder wie ß ausgesprochen wird, entscheidet sich am folgenden Vokal.

So kann in ein und demselben Wort circus das eine C zum Z und das andere zum K werden: Zirkus. Einmal folgt ein I, einmal folgt ein U.

Lateinische Wörter auf -are werden ins Deutsche als -ieren importiert. Und wenn direkt davor ein C kommt, dann ist der Folgevokal ein I, also -zieren. Und so wird bei “allocieren” das C zum Z und wird auch so geschrieben.

Deshalb ist “allozieren” die einzig richige Form und “allokieren” ist falsch.

Allokation

Übrigens: das Substantiv zu allozieren ist die Allokation. Da folgt ein A. Und dann wird das lateinische C zum K, aber eben nur dort.

Ich brauche Eure Mithilfe

Mir tut allokieren in meinem Sprachohr weh. Bitte helft mir und reicht diese sprachlichen Hinweise weiter. Ich möchte das allokieren wieder weg haben.

Ach: wo wir gerade beim richtigen Ableitungen sind: ich habe da auch noch etwas zu Firewalls zu sagen. (kommt demnächst)

heiko

Dipl.-Ing. Heiko Evermann

Vorheriger Artikel